LEXIKON DES
ERSTEN WELTKRIEGES
Vauquois
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Im Ersten Weltkrieg lag die Ortschaft vier Jahre lang, vom 24.09.1914 bis 26.09.1918, in vorderster Front.

Die Vauquois-Höhe beherrschte das gesamte Gebiet östlich der Argonnen und wurde daher von französischen und deutschen Befehlshabern als außergewöhnlich wichtiger Beobachtungspunkt und strategischer Riegel betrachtet. Diese Höhe erlaubte seinem Besitzer den Verkehr im Hinterland des Gegners zu beobachten und zu stören.

Vauquois vor dem Krieg
(aus "In Stellung nach Vauquois")
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Dieser Umstand erklärt die Hartnäckigkeit, mit der beide Seiten um die Eroberung und Behauptung von Vauquois vier Jahre lang rangen und war zugleich die Rechtfertigung für die damit verbundenen Opfer. Im Rahmen der wieder aufgenommenen Offensive nach der ersten Marneschlacht wurde Vauquois am 24.09.1914 erneut von dt. Truppen der 5. Armee besetzt. Zur Einkreisung und Abschnürung von Verdun war der Hügel unverzichtbar. Ähnlich war es bei den Verteidigern von Verdun allerdings unter umgekehrten Vorzeichen.

Bei der Besetzung am 24.09.1914 fanden auf der Hügelkuppe keine Kampfhandlungen statt, da sich das franz. Infanterie-Regiment 82 rechts und links umgangen und somit zum Rückzug gezwungen sah.

Die dt. Truppen bauten den Ort auf der Höhe zu einer kleinen Festung aus, die durch Artillerie im Cheppywald, im Argonnerwald und bei Montfaucon gedeckt war, da man sich darüber im klaren war, daß die Franzosen ihnen die Einblicke in ihr rückwärtiges Gebiet nicht erlauben konnten und daher angriffsweise mit einem Rückeroberungsversuch gerechnet werden mußte.

Der erste franz. Sturmangriff erfolgte am 28.10.1914 nach kurzer Artillerievorbereitung, blieb jedoch ohne Erfolg. Der zweite fand gleich am nächsten Tag ebenfalls nach kurzer Artillerievorbereitung statt und mußte infolge schwerer franz. Verluste eingestellt werden. Auch am 08.12. sowie am 09.12. und 10.12.1914 war den franz. Angriffen, vorbereitet durch schwere Artillerie, nur geringe Erfolge beschieden, so daß den franz. Truppen befohlen wurde, die erreichte Linie, die ca. 100 m vom südlichen Dorfrand entfernt war, zu befestigen sowie rückwärtige Verbindungen anzulegen.

 Als am 07.01.1915 die erste Kompanie des Pionier-Battaillons Nr. 30 (1./Pi 30) nach Vauquois zur 33. Infanterie-Division verlegt wurde, war die Ortschaft infolge der vorausgegangen Kämpfe bereits erheblich zerstört. Den Pionieren oblag der weitere festungsmäßige Ausbau des Höhenplateaus, des ca 100 m über dem Grund des Aire-Tals gelegenen Vauquois. Der Hügel erstreckt sich von West nach Ost mit einer Länge von 1700 m (am Fuß) und einer größten Breite von 900 m (am Fuß). Das Plateau mißt ca. 350 m in der Länge und 120 m in der Breite.
 

Vauquois1
 Die "Obstgärten" am Südwesthang des Vauquois-Berges im Juni 1915.
(aus "Das Unsichtbare Denkmal)
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nach Fortsetzung der Angriffe ab dem 17. Februar 1915 unter äußerst starker Artillerievorbereitung, konnten die Franzosen am 04.03.1915 den heftigen Widerstand der Verteidiger brechen und in das Höhendorf eindringen, die dt. Truppen allerdings nicht den Nordrand hinabdrängen. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch. Allein auf franz. Seite verlor man ca. 3000 Mann Tote oder Vermißte. Das 1./Pi 30 wurde Anfang März durch ein Arbeitskommando der Infanterie mit 150 Bergleuten, die Fußartillerie Kompanie Nr. 3, ein Zug des Pionier-Bataillon 29 sowie ein Minenwerferzug des Pionier-Bataillon 13 verstärkt. Bereits am 13.03.1915 wurde ein weiteres Arbeitskommando mit 150 Mann zugewiesen und am 16.03.1915 waren schon bombensichere Unterstände für 300 Mann in den Nordhang gesprengt.

Ab Mitte März hatte sich die Front der franz. 10. Infanterie-Division unter General Valdant in der Südhälfte des Dorfes stabilisiert. Der gute Stellungsausbau sowie eine neue schreckliche Waffe, der Flammenwerfer, ermöglichten es, die dt. Gegenangriffe abzuwehren.

In einem dt. Stollen auf Vauquois.
(Quelle: K. Schemmel '98)
Mit der Einstellung der großen Angriffe und Gegenangriffe begann auch für Vauquois der Stellungskrieg. Wurden zunächst Keller ausgebaut, so grub man in der Suche nach Schutz vor der gegnerischen Artillerie Stollen und Unterstände aus diesen Kellern heraus. Unter der Leitung von Pionieren entstanden tiefe, nach rückwärts gestaffelte Schützen- und Laufgräben und bombensichere Unterstände. Auf deutscher Seite entstand so im Laufe der Zeit eine unterirdische Kaserne für 2200 Mann. Der tonige Sandstein, welcher in zunehmender Tiefe sehr hart und stellenweise von Letten (Tonsediment) durchsetzt ist, ist relativ leicht zu bearbeiten, sehr standzäh und elastisch, was einen weitgehend verschalungsfreien Vortrieb ermöglicht.
 
 
 

Blick in ein dt., unterirdisches Wachlokal
(Quelle: K. Schemmel '98)
 
 
 

Der Stellungskrieg brachte auch den Minenkrieg mit sich. Mit dieser Kampfart wollte man, nachdem die Angriffe an der Oberfläche eingestellt werden mußten, die Entscheidung unter der Erde herbeiführen. Pioniere, Mineure und Sappeure versuchten, mit Stollen unter die Stellung des Gegners zu gelangen, um diesen mit einer Sprengstoffladung in die Luft zu jagen und so Gelände zu gewinnen bzw. dem Gegner starke Verluste beizubringen. Um dies zu verhindern legten beide Parteien Gegen- und Lauschstollen an. Hörte der Gegner zu graben auf, so wußte man, daß eine Sprengung unmittelbar bevorstand. Oft versuchte man dieser durch eine eigene Sprengung zuvorzukommen oder zumindest durch kleinere Quetschsprengungen die gegnerische Arbeitsgruppe zu vernichten. So entstand ein regelrechter Krieg unter der Erde, in immer größerer Tiefe und entsprechend mit immer größeren Sprengladungen. Die größte Sprengung auf Vauquois war eine deutsche mit 60 000 kg Westfalit am 14.05.1916.
 
 

Zurückgebliebene Ausrüstungsgegenstände
und Waffen.
(Quelle: K. Schemmel)
Am Ende des Krieges trennten 10 bis 25 m tiefe Sprengtrichter die vordersten Linien. Vauquois war zu einem in der Mitte geteilten Ameisenhügel geworden. Allein auf deutscher Seite hatte das unterirdische Stollennetz eine Ausdehnung von über 17 km erreicht. Das französische Stollensystem war geringer an Ausdehnung, nicht zuletzt da den ständig wechselnden Einheiten ja ein befestigtes Hinterland (die Werke der zweiten Linie sowie die Zitadelle von Verdun) zur Auffrischung in unmittelbarer Nähe (Verdun) angeboten werden konnte. An die 519 Sprengungen (199 deutsche und 320 französische) verwandelten das Dorf Vauquois, in dem einst 168 Einwohner lebten, in eine Mondlandschaft.

Während dieser ganzen Zeit bis zum 18.04.1918 blieb als einzige die Pioniereinheit des 1./Pi 30 auf Wunsch der jeweils ablösenden Infanterie-Divisionen permanent auf dem Vauquois, da eine Ablösung und die Übernahme des immer komplexer werdenden Stollensystems als sehr problematisch betrachtet wurde. Hierzu wurde das 1./Pi 30 aus dem Verband der 33. Infanterie-Division "ausgeliehen".

Das apokalyptische Bild des total zerstörten und unterminierten Hügels (ebenso natürlich die Ortschaft, die als solche jedoch nicht mehr erkennbar war) bot sich den amerikanischen Truppen, die am 26.09.1918 das mittlererweile strategisch und taktisch wertlos gewordene, von den Deutschen nur noch als Vorfeld benutzte Vauquois endgültig befreiten.

Stollenplan der dt. Stollen
(aus "In Stellung nach Vauquois")
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Andere Orte haben im Ersten Weltkrieg auch den Minenkrieg erfahren:

les Eparges, der Argonnerwald, die Champagnehöhen, Höhe 108 bei Berry-au-Bac, Vimy usw., aber nur mit Vauquois kann

- die totale Zerstörung einer Ortschaft und
  die Verlagerung der Kämpfe unter diese,

- die Erbauung einer mit Strom versorgten, unterirdischen Kaserne mit allen Einrichtungen incl.
   Lazarett, Küche, Pressluftanlage für Bohrhämmer, Kreiselpumpen zur Wasserhaltung, elektrische
   Ventilatoren und

- die konsequente Entwicklung der Minenkriegsführung zur Zerstörung der gegnerischen Stellung,
   um ihm zuvorzukommen oder seine Absichten zu durchkreuzen,

verbunden werden

Die Vauquois-Höhe ist ein noch erhaltenes Schlachtfeld des Weltkrieges 1914 - 1918, wo sich die Kriegsspuren für immer in den Argonnen- und Maasboden eingraviert haben. Sie wurde zum historischen Denkmal erklärt. Der Verein "Les Amies de Vauquois" erhielt per Vertrag vom franz. Staat die Aufgabe übertragen, die ehemaligen Stellungen zu erhalten und die Erinnerung an die dort stattgefundenen  Kämpfe zu pflegen.

Blick in südöstlicher Richtung auf
das Denkmal für die Kämpfe um die
Ortschaft Vauquois.
(Quelle: K. Schemmel '98)

 
 

Wer sich detaillierter mit dem Kampf auf dem Vauquois beschäftigen möchte, dem kann das Buch "In Stellung nach Vauquois" von Adolf Buchner empfohlen werden, welches auf dem Kriegstagebuch des Pioniers Hermann Hoppe 1./Pi. 30 basiert.
 
 

Ein Teil der deutschen sowie ein kleinerer Teil der französischen Stollen sind zur Zeit (1998) renoviert und unter Führung durch den Verein "Les Amis de Vauquois" begehbar. Auch oberirdische Stellungen wurden teilweise in den Originalzustand zurückversetzt.  Die Arbeit des Vereins ist beachtlich und fördernswert. Der Verein unterhält am Parkplatz ein kleines Museum zu den Kämpfen am Vauquois-Hügel.
 

Vauquois aus der Luft


Größere Kartenansicht


Es gibt mittlererweile einen recht guten Film zum Minenkrieg:

Als DVD:   oder als Blu-Ray:  
Auch bei Youtube gibt es einen kleinen Film zu Vauquois:


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